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Nach Griechenland droht Irland der nächste Pleite-Kandidat der Eurozone zu werden. Die Kurse irischer Staatsanleihen geraten am Rentenmarkt immer stärker unter Druck. Der Renditeaufschlag gegenüber deutschen Staatsanleihen erreichte einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge am Dienstag ein Rekordhoch von 5,53 Prozent. Irische Titel verloren damit seit mehr als 10 Handelstagen in Folge an Wert. Ein Grund dafür ist die wachsende Angst der Märkte vor einem „Haircut“. Darunter wird im Finanzjargon eine Beteiligung der Gläubiger an der Umschuldung eines in finanzieller Schieflage befindlichen Staates verstanden.

Markt erwartet 30prozentigen Forderungsausfall

Diese Möglichkeit haben die EU-Regierungschefs Ende Oktober beim EU-Gipfel ins Spiel gebracht. Bei einer solchen Umschuldung könnte zum Beispiel festgelegt werden, dass ein von Zahlungsunfähigkeit bedrohtes Land für einige Jahre keine Zinsen mehr auf die ausstehenden Anleihen zahlt und darüber hinaus ein gewisser Prozentsatz des Nennwertes der Staatsanleihen nicht getilgt wird. Erforderlich ist ein solcher Schritt, wenn ein Land aus eigener Kraft keinen finanziellen Boden mehr findet und die Hilfestellung nicht ausschließlich zulasten des Steuerzahlers gehen soll. Auch wenn die Regierung in Dublin bislang strikt betont, dass eine Umschuldung ebenso wenig im Raum stehe wie eine Anfrage nach Hilfen aus dem Euro-Rettungspaket, glauben die Märkte nicht daran. Die italienische Großbank Unicredit schätzt, dass der Markt einen Verlust von 30 Prozent der Gesamtforderungen aus Zins und Tilgung erwartet.

Irland steht vor der Pleite

Die finanzielle Situation Irlands ist außerordentlich prekär. Nachdem der „keltische Tiger“ für viele Jahr zu den wachstumsstärksten Regionen Europas zählte, folgt auf den Immobilien- und Wirtschaftsboom nun der Krisenkater. Irische Großbanken haben lange Zeit großzügig Immobilienkredite vergeben, die nun reihenweise ausfallen. Der irische Staat versucht, die Institute und damit auch das nationale Finanzsystem vor dem Kollaps zu bewahren. Das irische Haushaltsdefizit wird inklusive der Kosten für die Bankenrettung in diesem Jahr unglaubliche 32 Prozent des BIP erreichen. Dabei wurden schon außerordentlich harte Sparprogramme beschlossen, die nun sogar weiter verschärft werden sollen.

© mipan – Fotolia.com

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