Diskussion um höhere Mieten: Was Studien verschweigen
Millionen Menschen werden an diesem Sonntag erschrecken, wenn die Schlagzeile der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung bekannt wird: Die Mieten in Deutschland ziehen wieder kräftig an und steigen nach Angaben des Blattes erstmals seit 20 Jahren wieder in „enormem“ Tempo. Auch die Bürger der bayrischen Landeshauptstadt München könnten Sorgenfalten aufsetzen. Schließlich hat das Referat für Stadtplanung und Bauordnung festgestellt, dass besonders die Mieten in den bislang günstigen Stadtvierteln besonders zulegten. Befürchtet wird gar, dass viele Münchner aufgrund der steigenden Mieten in finanzielle Nöte geraten – armes München also?

Gemessen werden Forderungen der Vermieter
In der Tat scheinen die Mieten in Deutschland teilweise überraschend kräftig anzuziehen. In Köln und Berlin ist von 10 Prozent höheren Mieten beim Erstbezug einer Wohnung die Rede. Die Untersuchungen, die steigende Mieten feststellen, stützen sich allerdings allzu oft auf unzuverlässiges Datenmaterial. Die Münchner Untersuchung z.B. bezieht sich auf die Auswertung von Wohnungsanzeigen, die Vermieter in der Süddeutschen Zeitung geschaltet haben. Andere Wohnungsanzeigen auf dem Markt wurden erstmal nicht betrachtet. Bei den in den Anzeigen verlangten Mieten handelt es sich zunächst um Forderungen und Wünsche der Vermieter und nicht um tatsächliche Marktpreise.
Die Mieten können sich nicht lange von den Einkommen abkoppeln
Ob die Mieten in den Annoncen tatsächlich zustande kommen, ist nicht bekannt. Denkbar wäre z.B. dass Vermieter in verschiedenen Blättern Anzeigen zu verschiedenen Preise schalten und auf diese Weise nicht nur darauf drängen, ihr Objekt schnell an den Mann zu bringen, sondern darüber hinaus auch den Markt abzuschöpfen versuchen. Die Mieten können sich zumindest flächendeckend nicht dauerhaft deutlich schneller nach oben bewegen als die Einkommen der breiten Masse. Dazu ist die Lohnentwicklung in Deutschland in den letzten 10 Jahren zu schleppend verlaufen. Der Spielraum im Budget von Haushalten vor allem mit niedrigen und mittleren Einkommen ist gering.
Staatliche Kreditprogramme als Preistreiber?
Tendenziell stimulierend für das Mietniveau könnten allerdings die subventionierten Kreditprogramme der öffentlichen Hand, wie etwa die der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau, wirken. Die KfW vergibt seit langem Kredite zu Zwecken wie energetischen Gebäudesanierungen zu extrem niedrigen Zinsen und setzt damit einen Anreiz für Eigentümer, ihre Objekte zu modernisieren. Der Investitionsaufwand wird nach der Sanierung und bei der anschließenden Vermietung auf die Miete umgelegt. Auch dieser Effekt schlägt sich in Untersuchungen zum Mietniveau nieder: Wird mehr saniert, kommen auch mehr neu sanierte Objekte auf dem Markt – was den Durchschnittspreis steigen lässt.
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