Arbeitnehmer-Beteiligung: ist Diversifikation plötzlich verpönt?
Die Idee der „Investivlöhne“ ist im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit geraten, könnte im sich verfestigenden Aufschwung jedoch wieder an Bedeutung gewinnen. Als Oberbegriff bezeichnen Investivlöhne eine größere Beteiligung von Angestellten am Unternehmen. Diese könnte über eine Ausweitung von Belegschaftsaktien-Programmen, Genussrechte oder stille Beteiligungen Realität werden.
Bessere Bindung ans Unternehmen erhofft
Die Hoffnungen, die in das Modell einer verstärkten Mitarbeiterbeteiligung gesetzt werden, sind vielfältig. Gewerkschaften erhoffen sich eine nennenswerte Beteiligung am Gewinn eines Unternehmens, Arbeitgeber eine bessere Bindung der Mitarbeiter und eine flexiblere Vergütungs- (=Kosten-)Struktur. Der Gesetzgeber hat die Rahmenbedingungen für Belegschaftsbeteiligungen verbessert und den Freibetrag für geldwerte Vorteile im Jahr 2009 von 135 auf 360 Euro angehoben.
Vollständige Abhängigkeit vom Unternehmensschicksal?
Auch wenn das Ausmaß der Mitarbeiter an ihren Unternehmen in Deutschland bislang gering ist, wächst die Bedeutung stetig. Sofern die Anteile am Unternehmen eines Mitarbeiters einen nennenswerten Anteil an dessen Gesamtvermögen (inklusive Kapitalansprüchen und anderen Zusagen) erlangt, birgt die Mitarbeiterbeteiligung erhebliche Risiken. Im (an dieser Stelle fiktiv dargestellten) Extremfall könnte das so aussehen: Ein Mitarbeiter einen großen Automobilkonzerns in Norddeutschland investiert seine gesamte Sparquote in Belegschaftsaktien. Zudem erwirbt er am Standort seines Arbeitsplatzes eine selbstgenutzte Immobilie.
Risikostreuung geht vor höherer Motivation
In einem solchen Szenario können dem beteiligten Mitarbeiter existenzielle Nöte drohen, wenn sein Arbeitgeber insolvent wird: Dann fällt nicht nur das Erwerbseinkommen fort, sondern auch die Belegschaftsaktien sind wertlos. Zudem ist mit einem drastischen Wertverfall des Eigenheims zu rechnen, wenn das bankrotte Unternehmen für die Region von großer struktureller Bedeutung war. Für Arbeitnehmer, die in der Regel ohnehin ihr gesamtes Einkommen von einem Unternehmen beziehen sollte Diversifikation bei der Geldanlage und der Vermögensbildung besonders wichtig sein. Mitarbeiterbeteiligungen konterkarieren dies. Das Klumpenrisiko sollte bei der Diskussion über Investivlöhne und Co. nicht außer Acht gelassen werden.
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