Baukredit in fremder Währung: Ein Spiel mit dem Zufall
Fremdwährungskredite sind trotz der Finanzkrise nicht aus der Mode gekommen: Banken ermöglichen noch immer Hypothekenfinanzierungen in Franken, Yen und Dollar. Das Prinzip dieser Finanzierungen ist einfach: Der Kredit für eine Immobilie wird nicht in Euro, sondern in einer anderen Währung aufgenommen. Das Motiv: Zinsen sparen! In der Schweiz, den USA oder Japan ist das Zinsniveau oft deutlich niedriger als in der Eurozone. Darüber hinaus bestehen weitere Gewinnchancen: Wertet sich der Euro im Tilgungsverlauf gegenüber der Darlehenswährung auf, sinkt die Schuldenlast, weil weniger Euro für die in Fremdwährung notierte Annuität aufgebracht werden müssen. Im besten Fall – so jedenfalls werben einige Anbieter der Konzepte – tilgt sich der Kredit von ganz allein.
Die Geschichte zeigt: Große Kurssprünge am Devisenmarkt sind möglich
Der anfänglichen Zinsersparnis und der Chance auf Wechselkursgewinne stehen entsprechende Risiken gegenüber. Zum einen kann der Zinssatz auch in anderen Währungsräumen ansteigen, zum anderen besteht such die Möglichkeit einer Euro-Abwertung. Fremdwährungskredite sehen fast immer eine variable Verzinsung vor, die sich aus einem Geldmarktzinssatz ableitet. Ein Blick in die Geschichte zeugt, dass Kursbewegungen am Devisenmarkt sehr heftig ausfallen können. Im Extremfall können durchaus 50 Prozent Verlust anfallen – zumindest theoretisch.
Banken ziehen automatisch die Reißleine
In der Praxis werden Fremdwährungskredite automatisch und Euro umgeschuldet, wenn der Bank die Sicherheiten nicht mehr ausreichen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob das hohe Risiko durch die niedrigeren Zinsen und die Gewinnchancen aufgewogen wird. Klar ist aber, dass durch den Einsatz von Fremdwährungskrediten jede Immobilienfinanzierung zu einer Spekulation am Devisenmarkt wird. Wer über entsprechende Rücklagen verfügt, kann mit dem Modell und etwas Glück und Geschick viel Geld verdienen. Junge Familien auf dem Weg ins Eigenheim bleiben besser bei klassischen Euro-Finanzierungen.
Ähnliche Beiträge:
- Fremdwährungskredite trotz turbulenter Märkte noch rentabel? Fremdwährungskredite galten unter risikoaffinen Investoren lange Zeit als erstklassiges Instrument zur Immobilienfinanzierung. Schließlich lassen sich die Finanzierungskosten in erheblichem...
- Tagesgeld: Banken haben leichtes Spiel Tagesgeld ist zum Lieblingskind der Deutschen avanciert. Täglich fällige Anlagekonten gehören zu den Gewinnern der Finanzkrise. Sie bieten Sicherheit...
- Investieren in den Devisenmarkt mit Währungs-ETCs Anleger können mit Währungs-ETCs in die Wechselkursentwicklung am Devisenmarkt investieren. Die Abkürzung ETC steht in diesem Fall für „Exchange...
- Fremdwährungskredit: Welche Chancen bietet die weltweite Schuldenkrise? Die volatile Kursentwicklung am Devisenmarkt spiegelt die Schieflage des weltweiten Finanzsystems wider. Jede Krise kann auch Chancen bieten. Eine...
- Die Naturkatastrophe und die Währung: G7-Staaten helfen Japan gegen instabilen Yen Als wären die japanische Wirtschaft und die Bevölkerung nicht schon genug von Naturkatastrophen und der Bedrohung durch die atomare...

