Unabhängige Medien und Gütesiegel wie „Stiftung Warentest“ oder „TÜV“ wecken bei uns Deutschen Vertrauen. Zu groß ist unser Misstrauen gegenüber Finanzdienstleistern, Beratern und Banken. Doch nach der Veröffentlichung eines Finanztests zu Berufsunfähigkeitsversicherungen entbrannte ein wahrer Sturm der Entrüstung im Netz. Entfacht vom Versicherungsmakler und Blogger Matthias Helberg berichten nun immer mehr Blogger von fehlerhafter medialer Beratung zum Thema Finanzen. Den Leser hinterlassen diese Berichte freilich noch verunsicherter als zuvor. Was nun?

Beratung

Jeder möchte optimal und unabhängig beraten werden – doch gibt es das überhaupt?

Der unwissende Verbraucher…

Unabhängig soll die mediale Berichterstattung sein und Verbraucher schützen, so zumindest die Vorstellung vieler Leser. Damit haben sich die Stiftung Warentest und ihre Ableger einen Namen in Deutschland gemacht. Wir vertrauen darauf, dass wir hier seriös und unabhängig informiert werden. Dem zugrunde liegt, was die Wissenschaft als Principal-Agent-Dilemma bezeichne. Wir als Verbraucher (Principal) wollen Dienstleister (Agent) beauftragen, in unserem Namen die beste Entscheidung zu treffen, denn uns fehlt das notwendige Wissen (Informationsasymmetrie). Wir müssen also darauf vertrauen, dass der Finanzberater vor uns keinen Unfug erzählt. Doch um beruhigter schlafen zu können, kontaktieren wir Verbraucherzentralen, Verbraucherschützer und einschlägige Medien.

Und die wissenden Medien?

Nun stehen eben diese Informationsquellen in der Kritik: In seinem Artikel „Finanztest Berufsunfähigkeitsversicherung Test 2013: Avanti dilettanti“ arbeitete Matthias Helberg Fehler des Tests heraus und warnte vor Fehleinschätzungen. Auch überregional bekannte Medien, wie die Onlineausgabe des Handelsblatts griffen die Kritik in der Zwischenzeit auf. Darüber hinaus regte die Kritik andere Blogger dazu an, bei Verbraucherschutz-Artikeln weiterer bekannter Medien genauer hinzuschauen. In seinem Finanzblog bezeichnet Versicherungsmakler FRF aus Karlsruhe in seinem Artikel „Verbraucherzentrale – Märchenstunde für ratsuchende Verbraucher“ eine angeblich konkrete Verbraucherberatung bei der Verbraucherzentrale als fragwürdig und vermutet eine ausgedachte „Story“. Laut Versicherungsmakler FRF sind die Angaben im Zeit-Artikel inkonsistent und der Artikel letztlich versteckte Werbung für die Verbraucherzentrale, die doch auch ordentliches Honorar berechnet.

Was bleibt ist der verunsicherte Verbraucher

Was die Zeit mit „Berufstätig & ahnungslos“ einleitet, ist das Bild einer Verbraucherin, welche „nicht viel von Zahlen“ versteht und „in ihrem Leben auch nie besonders große Lust [hatte], sich damit zu beschäftigen“. Das erregt so manches Gemüt, denn damit würde man Verbraucher als zu dumm darstellen. Doch ganz so unwahr ist das Bild nicht: hinter den Informationsasymmetrien steckt nämlich noch eine weitere Annahme der Wissenschaft. Für uns sind die Opportunitätskosten oftmals viel zu hoch, die wir aufbringen müssten, um Wissen zu erlangen. Nicht-Wissen ist billiger und wird deshalb wohl bestehen bleiben. Doch da Unwissen freilich nicht vor Strafe schützt, müssen Verbraucher auch weiterhin auf Beratung durch „Drittanbieter“ vertrauen.

 

Foto: Shutterstock.com | Goodluz

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