Unisex-Tarife – EU beschert Versicherungsvermittlern ein Verkaufsargument
Alles wird andere in der Versicherungswelt: Die bisher bekannten, herkömmlichen Versicherungstarife gibt es nur bis Ende Dezember. In der Versicherungswirtschaft rollt in diesen Tagen eine neue Vertriebswelle an. Das wesentliche Verkaufsargument: Wer jetzt noch einen Vertrag abschließt, kann den Vorteil gegenüber Unisex-Tarifen nutzen. Das kann sich tatsächlich lohnen – wenn einige Dinge beachtet werden.

Bei Unisex-Tarifen stellt das Geschlecht in der Beitragskalkulation des Versicherers kein prämienrelevantes Merkmal mehr dar. Die Einführung wird ab dem 21. Dezember für alle Versicherungssparten verbindlich. Sie geht auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs zurück. Für Altverträge gilt Bestandsschutz, Neuverträge werden für Frauen in der Risikolebens- und der KFZ-Unfallversicherung teurer, Männer müssen in der privaten Krankenversicherung und bei Kapitallebens- und Rentenversicherungen mehr zahlen.
Ungünstiger Zeitpunkt für Rentenversicherungen
Männer sollten eine private Krankenversicherung deshalb noch in diesem Jahr abschließen, wenn der Vertrag benötigt wird bzw. der Wechsel in die PKV ohnehin geplant war. Frauen sollten in diesem Jahr ihren KFZ-Versicherungsschutz auf den Prüfstand stellen und bei Bedarf eine Risikolebensversicherung abschließen, um ihren geschlechtsspezifischen Beitragsvorteil zu nutzen. Umstritten ist, ob Männer noch vor der Einführung der Unisex-Tarife eine Rentenversicherung abschließen sollten. Die Frage stellt sich insbesondere bei rein privaten Rentenversicherungen und Rürup-Verträgen. Für Riester-Verträge gelten ohnehin bereits Unisex-Kalkulationen. Der Zeitpunkt für Rentenversicherungen ist keineswegs günstig. Die Garantieverzinsung ist niedrig und die Risiken für die Renditen der Versicherer in den kommenden Jahren beträchtlich.
Kapitallebensversicherung in der Kritik
Der Höchstrechnungszins (so heißt der Garantiezins eigentlich) beträgt seit dem 01.01.12 nur noch 1,75 Prozent. Der Zinssatz gilt für die gesamte Vertragslaufzeit als Mindestverzinsung. Die tatsächliche Verzinsung wird allerdings durch die Kosten des Vertrages reduziert. Viele Branchenexperten rechnen damit, dass die Gesamtverzinsung inklusive Überschussbeteiligung bei vielen Versicherungsunternehmen in den kommenden Jahren unter der Marke von 4,00 Prozent bleibt. Angesichts der Inflationserwartungen und der langen Laufzeit der Verträge ist das keineswegs üppig. Die seit Jahren anhaltende Niedrigzinsphase wird in den Deckungsstöcken der Versicherer auch dann noch wirken, wenn sie bereits einige Jahre vorbei ist. Verbraucher sollten sich im Hinblick auf Vermögensaufbau und Altersvorsorge ganzheitlich beraten lassen und ihren Berater vorher unter die Lupe nehmen. Größere Retail-Beratungsunternehmen stellen dafür mittlerweile Kundenmeinungen ins Internet, wie etwa unter http://awd-erfahrung.de/