Die EZB wird an diesem Donnerstag voraussichtlich die Zinsen senken – wahrscheinlich um 0,25 oder 0,50 Prozent. Für Sparer wird die Luft damit noch dünner: Fast alle sicheren Anlagen in Tagesgeld oder Festgeld bescheren negative Realzinssätze.

Die einzige Frage ist, wie stark der Leitzins an diesem Donnerstag sinkt. Das jedenfalls geht aus einer Umfrage der Financial Times Deutschland unter 35 Ökonomen hervor. 20 Volkswirte rechnen mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte, fünf Experten erwarten sogar 50 Basispunkte. An den Finanzmärkten wird eine weitere Lockerung der Geldpolitik erneut ein euphorisiertes Strohfeuer auslösen. Sparer hingegen müssen sich auf noch härtere Zeiten einstellen. Sie werden von der EZB zunehmend zum Zahlmeister der Krise gemacht.

Sparer müssen sich auf sinkende Zinsen einstellen

Negative Realzinsen sind die Regel

1,38 Prozent zahlen Banken nach Berechnungen der FMH Finanzberatung im Durchschnitt für Tagesgeld. Die Inflationsrate in Deutschland wird im Gesamtjahr wahrscheinlich 2,0 bis 2,50 Prozent erreichen. Liegt der Zinssatz unter der Inflationsrate, sprechen Ökonomen von einer negativen Realverzinsung: Die Kaufkraft des Ersparten nimmt ab. Die Gewinner sind die Schuldner, allen voran Staaten, die über ihre Verhältnisse gelebt haben. Auch mit Festzinsanlagen können Anleger der Problematik nicht entgehen. Für einjährige Anlagen zahlen Banken 1,43 und für zweijährige Laufzeiten 1,55 Prozent. Erst bei fünf Jahren erreicht der Marktdurchschnitt mit 2,24 Prozent ein Niveau, mit dem sich die Inflation ausgleichen lässt – allerdings nur vor Abzug von Steuern.

Zinshopping ist Pflicht

Wer sein Geld nicht in Aktien oder Immobilien anlegen möchte, kann in diesen Tagen nur Schadensbegrenzung betreiben. Marktdurchschnitte bei Tagesgeld und Festgeld sind stets nur die halbe Wahrheit. Mit der gezielten Suche nach guten Angeboten lassen sich höhere Erträge erwirtschaften. Mit Tagesgeld sind derzeit bis zu 2,50 Prozent möglich. So viel zahlt die GEFA-Bank Neukunden. Der Zinssatz wird immerhin sechs Monate lang garantiert. Auch der Direktversicherer Cosmos Direkt bietet 2,50 Prozent für ein jederzeit kündbares und kostenfreies Kapitalisierungsprodukt. Die Zinsgarantie läuft bis zum 30. September.

Deutsche Einlagensicherung ist ein Vorteil

Auch bei Festgeldanlagen sind die Unterschiede groß. Das beste Verhältnis von Rendite und Laufzeit bieten aktuell dreijährige Festzinsanlagen. Die SWK-Bank und die GEFA-Bank zahlen dafür immerhin 3,0 Prozent. Beide Institute bieten den Schutz der deutschen Einlagensicherung. Zwar sind Gelder auch bei Banken im EU-Ausland bis 100.000 Euro pro Kunde abgesichert. Sollte es zu Staatspleiten kommen, besteht aber auch hier Gefahr. Neben der deutschen Einlagensicherung gelten auch die Einlagensicherungssysteme in den Niederlanden und Österreich als vertrauenswürdig.

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