Der deutsche Arbeitsmarkt verliert Monat für Monat an Dynamik und die Stimmung in der Industrie verschlechtert sich. Je länger die Schuldenkrise andauert, desto stärker zieht sie Deutschland mit nach unten.
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juni nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit um 46.000 auf 2,809 Millionen gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt der Rückgang 84.000 Personen. Die Arbeitslosenquote sank gegenüber Mai um 0.1 auf 6,6 Prozent. Im Jahr zuvor hatte sie bei 6,9 Prozent gelegen. Die Dynamik ist damit einige Quartale nach der deutschen Konjunktur fast zum Erliegen gekommen. Das zeigt ein Blick auf die saoisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen, die im Juni um 7.000 zulegte. Die BA bestätigt: Im Juni ist die Arbeitslosigkeit weitaus weniger stark gesunken als zu dieser Jahreszeit üblich.

Ifo-Index fällt auf tiefsten Stand seit zwei Jahren
Sollten sich die Erwartungen der Unternehmen bewahrheiten, könnte der Arbeitsmarkt im Spätherbst sogar eine Trendwende nach unten vollziehen. Der ifo-Geschäftsklimaindex sank im Juni zum zweiten Mal im Folge und erreichte den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Der Indexwert ging von 106,9 Punkten im Mai auf 105,3 Punkte zurück. Ursächlich dafür waren vor allem pessimistische Zukunftserwartungen. Im entsprechenden Teilindex wurde ein Rückgang von 100,8 auf 97,3 Punkte registriert. Der Teilindex für die Bewertung der aktuellen Geschäftslage stieg hingegen leicht von 113,2 auf 113,9 Punkte an. Für den ifo-Index werden monatlich 7.000 Unternehmen befragt. Drei Rückgänge in Folge indizieren eine Rezession.
„Auch Deutschland keine Teflon-Wirtschaft“
Die pessimistische Zukunftshaltung resultiert nach Angaben von ifo-Chef Hans-Werner Sinn vor allem aus der Euro-Krise. „Die deutsche Wirtschaft befürchtet zunehmende Beeinträchtigungen durch die Eurokrise“. Offenbar schlagen sich die Rezessionen in mehreren Euro-Krisenländern verstärkt in den Auftragsbüchern nieder. Die Commerzbank zeigte sich in einer Analyse wenig überrascht von dieser Entwicklung: „Lange Zeit schien die sich wieder verschärfende Staatsschuldenkrise der deutschen Wirtschaft nichts anhaben zu können. Nun zeigt sich aber mehr und mehr, dass auch Deutschland keine Teflon-Wirtschaft ist“.
Konjunktur gibt weltweit nach
Die exportlastige deutsche Wirrtschaft ist besonders abhängig von der Entwicklung der Weltkonjunktur. Diese schwächt sich zunehmend ab. Die US-Notenbank Federal Reserve senkte unlängst ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr um 0,50 Prozent. Auch in China und Brasilien – lange Zeit Schwellenländer mit hohen Wachstumsraten und großer Nachfrage nach deutschen Produkten – schwächt sich die Entwicklung ab. Im April sank der Auftragseingang in der deutschen Industrie um 1,9 Prozent. Die Maschinenbauer kämpfen seit geraumer Zeit mit noch deutlich stärkeren Rückgängen. Die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Euro-Krise schlägt sich in verringerten Investitionen nieder. Nach Angaben der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau sanken die Investitionen bereits im ersten Quartal des Jahres um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Niedriger Ölpreis und schwacher Euro können im Jahresverlauf stützen
Die Euro-Krise und die schwache Weltkonjunktur könnten im weiteren Jahresverlauf allerdings auch positive Effekte auf die deutschen Exporte entfalten. Der Euro notiert seit geraumer Zeit unter der Marke von 1,30 USD und der Ölpreis ist ebenso wie einige andere Rohstoffpreise deutlich zurückgegangen. Ein nicht unerheblicher Teil des potenziellen Rückgangs der Exporte in Euro-Krisenländer ist zudem bereits erfolgt.
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