Unmittelbar vor der Wahl in Griechenland kursieren viele Szenarien über die mögliche Entwicklung in der Währungsunion. Eines davon ist das Ende des Euro. Die Financial Times Deutschland hat diesen möglichen Ausgang der Krise einmal genauer beleuchtet.
Das Szenario beginnt mit einem klaren Wahlsieg des griechischen Oppositionsführers Tsipras von der Syriza-Partei. Nach seinem Sieg erklärt er in dem fiktiven Szenario alle Vereinbarungen mit den Gläubigern für nichtig und kündigt an, dass Griechenland seine Schulden nicht bedienen werde. Er fordert die Gesandten der Troika zum Verlassen des Landes auf und bleibt dem EU-Gipfel Ende Juni fern. Daraufhin untersagt EZB-Präsident Mario Draghi der griechischen Notenbank die Ausgabe von Euro-Noten. Die griechische Notenbank darf ab diesem Moment nur noch gestempelte Euros ausgeben.

Domino am Mittelmeer
Die Ereignisse führen zu einem exponentiellen Anstieg der Unsicherheit. In Spanien, Italien und Portugal kommt es zum gefürchteten Bank Run: Aus Angst um ihre Ersparnisse stürmen die Menschen die Banken. Diese zahlen binnen drei Tagen ein Viertel ihrer Einlagen aus und müssen daraufhin die Kreditvergabe einstellen. Bei einem neuerlich anberaumten EU-Sondergipfel kommt es nicht zu einer Einigung auf Eurobonds oder vergleichbaren Hilfsmaßnahmen. Die Europäische Zentralbank kündigt die Einstellung ihres Anleiheankaufprogramms an. Auch der Versuch von Bundeskanzlerin Merkel, einen Nord-Euro mit einigen EU-Staaten zu konstruieren, schlägt fehl. Für Oktober wird deshalb die Rückkehr zu den früheren nationalen Währungen beschlossen. Die DM-Mark wertet in dem Szenario um 20 Prozent auf, Lira und Pesete dagegen um 20 Prozent ab. Deutsche Banken müssen Forderungen im Volumen von 2000 D-Mark gegenüber Ländern der gescheiterten Währungsunion abschreiben.
Bankenkollaps bei DM-Rückkehr?
Die Angst vor dem riesigen Abschreibungsbedarf deutscher Banken im Fall einer Rückkehr zur DM-Mark wird nicht nur im Artikel der Financial Times Deutschland angerissen. Die Sorge vor einem möglichen Bankenkollaps in Deutschland schwingt sich zum Hauptargument derer auf, die die Währungsunion um jeden Preis retten wollen. Wie groß genau der Abschreibungsbedarf wäre, lässt sich kaum beziffern. Die Größe von 2000 Mrd. Mark wurde zuletzt von mehreren Medien genannt – allerdings stets ohne verlässliche Quelle. Etwa 700 Mrd. Euro (oder D-Mark) davon dürften auf den Target-2-Saldo der Bundesbank entfallen, der bei einem Austritt aus der Währungsunion verloren wäre. Viele Experten halten dieses Geld aber ohnehin für verloren.
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