Nur die Hälfte der geplanten Anzahl von Studierenden bekam im vergangenen Jahr eine Förderung durch das Deutschlandstipendium. 2011 wurden 5400 Studierende mit der Förderung des Bundes bedacht, dabei war eigentlich vorgesehen, bereits 10.000 Studierenden mit der finanziellen Unterstützung während dem Studium unter die Arme zu greifen –hier sollten 300 Euro pro Stipendiat ausgezahlt werden. Im Gegensatz zum Bafög müssen Empfänger des Deutschlandstipendiums den Betrag nach Beendigung des Studiums nicht zurückzahlen.
Finanzierung durch Bund und Wirtschaft
Die Hälfte des Betrags wird jeweils vom Bund übernommen, die andere Hälfte von privaten Stiftern, meist Unternehmern. Um die privaten Stifter müssen sich die Universitäten selbst bemühen. Dies führte dazu, dass 2011 dem veranschlagten Betrag des Bundesbildungsministeriums nicht genügend Mittel privater Sponsoren gegenüberstanden. Zudem kam es zu einem Ungleichgewicht unter den verschiedenen Studiengängen, denn während die Ingenieurswissenschaften mit einem Anteil von 27 Prozent an der Gesamtzahl der Stipendien sozusagen überrepräsentiert sind, gestaltete es sich für Fachrichtungen wie Geistes- oder Kulturwissenschaften deutlich schwieriger, Stifter zu finden. Ebenso begabte Studierende in wirtschaftsferneren Studiengängen haben so eine deutlich geringere Chance, ein Deutschlandstipendium zu erhalten. Außerdem ist man bei der Suche nach Stiftern auf das Engagement der jeweiligen Hochschule angewiesen.
Prozentuale Verteilung
Unter den bisherigen Stipendiaten sind 47 Prozent Frauen und 7 Prozent sind Studenten mit ausländischer Staatsbürgerschaft. Insgesamt konnten die Hochschulen Fördermittel in Höhe von 3,4 Millionen Euro von Bund und Wirtschaft sammeln. Das Bundesbildungsministerium zeigt sich mit dieser Entwicklung zufrieden. Dies könnte den Beginn einer neuen Stipendienkultur in Deutschland bedeuten – die ja bekanntlich anderen Ländern wie den USA oder England, wo Stipendien ein sehr übliches Mittel zur Finanzierung von Studierenden sind, deutlich hinterher hinkt. Aus den anderen politischen Lagern hingegen kommt Kritik. So hält der Thüringer Bildungsminister und Vorsitzende des SPD-Wissenschaftsforums Christoph Matschie es für eine „Ressourcenverschwendung“ 5.400 von 2,4 Millionen Studierenden gesondert zu fördern anstatt das Bafög-System auszubauen.
Daneben müssen auch in Deutschland immer mehr Studenten nebenbei arbeiten, um sich ihr Studium finanzieren zu können. So üben zwei Drittel aller Stundeten einen Werkstudenten- oder Aushilfsjob aus. Im Schnitt arbeiten sie neben dem Studium etwa 13,5 Stunden die Woche. Aber auch ihnen fällt es oftmals schwer, Jobs mit einer angemessenen Bezahlung zu finden. Davon abgesehen leidet die Qualität des Studiums darunter und Studenten aus sozial schwachen Familien können nicht die Leistungen und Noten erbringen, die es für ein Stipendium braucht. So schließt sich der Teufelskreis.
Foto: OLJ Studio / Shutterstock.com