Die Forderungen der Deutschen Bundesbank gegen die europäische Zentralbank im Rahmen des Zahlungsverkehrssystems Target-2 sind im März mit beschleunigtem Tempo gewachsen. Zum 31. März belief sich der Target-2 Saldo der Bundesbank auf 615,6 Milliarden Euro. Ende Februar waren es noch 547 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg um 12,5 % allein im Monat März. Im Februar war der Target-2-Saldo 9,8 % gegenüber dem Vormonat angewachsen. Die Entwicklung des Target-2- Saldos wird von den meisten Medien eher stiefmütterlich behandelt. Viele Ökonomen sehen darin aber eine tickende Zeitbombe für Deutschland.

Bundesbank finanziert Pleite-Staaten
Die Forderungen bestehen im Wesentlichen gegen südeuropäische Euro-Mitgliedsländer. Es handelt sich um die Länder, die ein Leistungsbilanzdefizit aufweisen. Volkswirtschaften mit einem Leistungsbilanzdefizit brauchen Kapital aus dem Ausland, um das Defizit zu decken. Bis zum Ausbruch der Finanzkrise wurde dieses Defizit über den Bankensektor ausgeglichen, in dem Geschäftsbanken aus Nord- und Mitteleuropa Banken in Südeuropa Geld zur Verfügung stellten. Seitdem das Vertrauen in südeuropäische Banken durch die Finanz- und Währungskrise untergraben ist, funktioniert dies nicht mehr. Banken aus Spanien, Portugal, Italien und Griechenland leihen sich deshalb Geld über das EZB-System. Diese Kredite werden letztlich von den Notenbanken der Länder mit Leistungsbilanzüberschüssen, wie Deutschland und den Niederlanden, vergeben.
Kein Weg mehr zurück?
Müsste die Bundesbank einen wesentlichen Teil ihrer Forderungen abschreiben, könnte dies die deutsche Zahlungsfähigkeit in arge Bedrängnis bringen. Müsste der aktuelle Target-2- Saldo zu einem Drittel abgeschrieben werden, beliefe sich das Abschreibungsvolumen auf gut 205 Milliarden €. Die Gold- und Währungsreserven der Bundesbank sind etwas mehr als 180 Milliarden Euro wert. Selbst wenn diese Reserven vollständig aufgezehrt werden sollten, müsste der Bund dieser Logik folgend noch 20 Milliarden Euro zusätzliches Geld bereitstellen, um die Bundesbank zahlungsfähig zu halten. Kritische Ökonomen sind der Ansicht, dass die Entwicklung Deutschland dazu zwingt, den Euro um jeden Preis zu erhalten. Von der Bundesbank und der EZB sind in diesem Zusammenhang bislang lediglich Alibidementis erfolgt.
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