Leiharbeit verbessert die Flexibilität von Unternehmen und trägt damit zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft bei. Die Kosten der Flexibilisierung zahlen fast ausschließlich Leiharbeiter. Diese verdienen bis zu 50 % weniger als die Stammbelegschaft. Das geht aus einer Studie des der Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor, über die am Montag die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtete. Die Untersuchung kommt noch zu einem anderen Ergebnis: Leiharbeiter verdrängen nicht reguläre Beschäftigungsverhältnisse.

3 % der Beschäftigten in Leiharbeit

Bundesweit gibt es rund 900.000 Leiharbeiter. Seit der Liberalisierung des Segments vor rund zehn Jahren hat sich ihre Zahl verdreifacht. Ein Ziel der damaligen Maßnahmen war es, mehr Erwerbslose und Geringqualifizierte in Lohn und Brot zu bringen. Mit einem Anteil von 2-3 % an der Gesamtbeschäftigung machen Leiharbeiter einen relativ geringen Anteil aus. Dennoch entzündet sich an den Segment immer wieder eine Diskussion über faire Entlohnung. Die Gewerkschaften fordern eine strengere Regulierung. Sie verhandelt derzeit mit den Leiharbeitsverbänden über Tarifverträge. Leiharbeitsfirmen treten als eigenständige Arbeitgeber auf und sind deshalb nicht an die Tarifverträge gebunden, die für die jeweilige Stammbelegschaft ihrer Kunden gelten. Derzeit erhalten ungelernte und angelernte Leiharbeiter Einstiegslöhne zwischen sieben und acht Euro pro Stunde.

47 % weniger Gehalt

Der Studie zufolge verdient ein Leiharbeiter mit Berufsausbildung in Westdeutschland 47 % weniger als ein Kollege der Stammbelegschaft. In Ostdeutschland beträgt der Unterschied 36 %. In der Metallbranche erhalten Mitarbeiter der Stammbelegschaft zum Beispiel 2990 € brutto monatlich. Ihre auf Leiharbeitsbasis angestellten Kollegen erhalten brutto lediglich 1540 €. Die Studie führt für die große Diskrepanz mehrere Ursachen an. Zum einen seien die Löhne für Leiharbeiter generell niedriger. Zum andern würden viele Leiharbeiter auch aus der Arbeitslosigkeit rekrutiert, was sich ebenfalls auf die Entlohnung auswirke. Ein weiterer wichtiger Grund seien wechselhafte Erwerbsbiografien. Die Bertelsmann-Stiftung schlägt vor, Leiharbeiter nach drei Monaten genauso zu entlohnen wie die Stammbelegschaft. Dadurch bliebe Unternehmen der Vorteil der Flexibilität erhalten – die Lohnunterschiede würden aber relativ kurz nach der Einstellung egalisiert.

Reguläre Beschäftigung wird nicht verdrängt

Der Studie zufolge verdrängt Leiharbeit nicht in großem Stil reguläre Arbeitsverhältnisse. Dies sei in lediglich in 3 % der betrachteten Unternehmen der Fall gewesen. Bei 25 % der Unternehmen habe sich sogar ein gegenteiliger Effekt eingestellt. Die Unternehmen hätten die Zahl der Leiharbeiter reduziert und gleichzeitig die Stammbelegschaft verstärkt. Dies könne zum Beispiel durch Übernahmen geschehen sein.

 

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