Sparer müssen sich auf schlechte Zeiten gefasst machen und können den schwarzen Peter getrost der Europäischen Zentralbank (EZB) in die Schuhe schieben. Die EZB öffnet alle schleusen und stellt Banken Liquidität in praktisch unbegrenzter Menge zu sehr niedrigen Zinssätzen zur Verfügung. Aus Sicht der Geschäftsbanken werden Einlagen von Privatanlegern damit überflüssig. Das zeigt sich gerade einmal zwei Wochen nach der zweiten 500-Milliarden Euro- Auktion der EZB an den Sparzinsen. Banken senken auf breiter Front die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld. Im schlimmsten Fall steht eine mehrjährige Periode negativer Realzinsen bevor.

Banken überschlagen sich mit Zinssenkungen

Seit Mario Draghi der Finanzsektor mit Liquidität geflutet hat, überschlagen sich Banken mit der Ankündigung von Zinssenkungen. Der Tagesgeld Platzhirsch ING-DiBa kündigte für den 15. März eine Zinssenkung um 25 Basispunkte sowohl für Neu- als auch für Bestandskunden an. Die Targobank strich Vergünstigungen für Neukunden beim Tagesgeld und Festgeld und senkte zusätzlich die Tagesgeldzinsen für Bestandskunden. Die österreichische Autobank reduzierte die Zinssätze für Festgeldanlagen um 20-40 Basispunkte. Die ebenfalls aus Österreich stammende VTB Direktbank zahlt für dreijährige Festgeldanlagen 20 Basispunkte weniger. Die Denizbank reduzierte ihre Festgeldzinsen um 5-25 Basispunkte. Die Bank11 senkte den Zinssatz für einjährige Festgeldanlagen von 3,11 auf 2,8 %. Die IKB direkt reduzierte nach mehreren Zinssenkungen bei ihrem Festgeldsortiment auch den Zinssatz für Tagesgeld von 1,8 auf 1,5 %. Die britische Bank of Scotland reduzierte bei ein- und zweijährigen Festgeldanlagen um jeweils 20 Basispunkte.

Zinsen sinken, Inflation steigt

Anleger müssen sich darauf einstellen, in den nächsten Jahren Kaufkraft einzubüßen. Die Inflationsrate bleibt hartnäckig hoch – im Februar stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland um 2,3 %. Sollte die Konjunktur wie derzeit von den meisten Wirtschaftsforschungsinstituten erwartet im Frühjahr anziehen und gleichzeitig die Europäische Zentralbank nichts an ihrer lockeren Geldpolitik ändern, ist ein weiterer Anstieg der Inflationsrate vorprogrammiert. Schon jetzt erzielen Anleger mit Tagesgeld unter Berücksichtigung der Abgeltungssteuer selbst bei den besten Angeboten am Markt allenfalls einen Inflationsausgleich. Sollte sich die Abwärtsdynamik im Einlagengeschäft so fortsetzen den letzten Tagen, ist selbst das nicht mehr erreichbar.

 

 

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