Tagesgeld: Brechen im März die Zinsen ein?
Die europäische Zentralbank (EZB) stellt Sparern ein Bein: Sie senkt nicht nur die Zinsen, sondern versorgt Geschäftsbanken auch mit riesigen Mengen Liquidität. Zugleich lockerte sie die Anforderungen an Sicherheiten für ihre Kredite. Die Zentralbank übt damit Druck auf die Konditionen im Einlagengeschäft aus. Die Zinssätze für Festgeld sind in den vergangenen Wochen bereits deutlich unter Druck geraten. Auch die Konditionen für Tagesgeld könnten sich bald deutlich verschlechtern.

Draghi öffnet alle Schleusen
Der seit November amtierende EZB-Chef Mario Draghi will Geschäftsbanken im wahrsten Sinne des Wortes um jeden Preis mit billiger Liquidität versorgen. Die beiden Leitzinssenkungen um insgesamt 50 Basispunkte sind nur ein Teil des Expansionsprogramms. Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem Geschäftsbanken sich bei der EZB gegen Sicherheiten Geld leihen können. Früher hatten solche Geschäfte eine Laufzeit von maximal 13 Monaten. Da Banken aber auch bei der längerfristigen Refinanzierung unter den Auswirkungen der Finanz- und Schuldenkrise leiden, hat die EZB den Bankensystem bereits im Dezember Kredite im Volumen von 500 Milliarden € mit einer Laufzeit von drei Jahren zur Verfügung gestellt. Noch im Februar folgt eine weitere Auktion dieser Art, bei der ein vergleichbares Volumen erwartet wird.
Banken sollen alles beleihen können
Ein zunehmender Mangel an werthaltigen Sicherheiten wurde zuletzt vor allem für südeuropäische Banken zum Problem. Verfügt ein Institut nicht über Vermögensgegenstände, die die EZB als Sicherheit akzeptiert, kann sie sich bei der Zentralbank auch kein Geld leihen. Deshalb lockerte die EZB ihre Anforderungen an Sicherheiten. Geschäftsbanken sollen künftig auch Forderungen aus kleineren Krediten beleihen können. Die Beleihung erfolgt zwar mit einem großen Abschlag zum Nennwert – etwa 60 % – dennoch handelt es sich um ein absolutes Novum in der Geschichte der EZB- Geldpolitik.
Nachfrage nach Kundengeldern sinkt
In den letzten Monaten profitierten Anlegern von einer hohen Nachfrage nach Spareinlagen. Das war zum einen der Finanzmarktregulierung geschuldet. Zum andern waren aber auch der Mangel an Sicherheiten für EZB-Kredite und deren relativ kurze Laufzeit dafür verantwortlich. Durch die Maßnahmen der Zentralbank wird die Nachfrage nach Kundeneinlagen durch die Geschäftsbanken sinken. In den vergangenen Wochen haben zahlreiche Banken bereits die Zinssätze für Festgeldeinlagen gesenkt. Tagesgeldkonten sind bislang zumindest nicht auf breiter Front davon betroffen. Dennoch sollten Anleger rasch handeln.
Jetzt noch schnell umschichten
Bei Festgeldanlagen gelten derzeit dreijährige Laufzeiten als optimal. Längere Laufzeiten werden allenfalls marginal höher verzinst, zu kürzeren Laufzeiten besteht gleichzeitig ein nennenswerter Zinsunterschied. Die österreichische VTB Direktbank bietet mit 4 % einen der höchsten Zinssätze für dreijährige Festgeldanlagen. Wenn Geld jederzeit verfügbar sein muss, ist ein Tagesgeldkonto die beste Lösung. Vor allem Neukunden profitieren von Sonderangeboten mit Zinsgarantie, mit denen sich wahrscheinliche Zinssenkungen in den nächsten Wochen und Monaten noch eine Weile herauszögern lassen. Die BNP Paribas Tochter zahlt Neukunden 2,6 % Zinsen für Tagesgeld-Guthabenanteile bis 50.000 € und garantiert diesen Zinssatz für die ersten zwölf Monate nach der Kontoeröffnung.
Foto: (c) Alex Staroseltsev / www.shutterstock.com
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