Trotz des kräftigen Wirtschaftswachstums ist der Stromverbrauch in Deutschland im letzten Jahr leicht zurückgegangen. Wie der Bundesverband der Deutschen Energiewirtschaft (BDEW) unter Berufung auf vorläufige Zahlen mitteilte, sank der Gesamtverbrauch um 0,50 Prozent. Die deutsche Wirtschaftsleistung legte im letzten Jahr um 3,0 Prozent zu. Lange Zeit bestand eine hohe positive Korrelation zwischen dem Wirtschaftswachstum und dem Stromverbrauch. In den vergangenen Jahren war eine Entkopplung der beiden Größen zu beobachten. Nach Angaben des BDEW ist der Rückgang aber nicht nur auf eine verbesserte Energieeffizienz zurückzuführen. Auch der milde Winter und der kühle Sommer haben nach Angaben des Verbands zu der Entwicklung beigetragen.

Stromproduktion um 2,5 Prozent rückläufig

Die deutsche Stromproduktion sank im Vergleich zum Vorjahr um 2,50 Prozent. Das ist relativ wenig in Anbetracht der Tatsache, dass Laufe des Jahres im Zuge des Atomausstiegs ältere AKWs angeschaltet wurden. Dies wurde nicht nur durch den witterungsbedingt geringeren Bedarf, sondern auch durch das Wachstum bei der Produktion von Ökostrom und deutlich verringerte Exporte ins Ausland kompensiert. Mit 612 Milliarden Kilowattstunden war die deutsche Stromproduktion aber auch in 2011 größer als die der Verbrauch (610 Milliarden Kilowattstunden). Deutschland bleibt damit ein Nettoexporteur von Elektrizität, wenn sich die Ausfuhren auch deutlich verringert haben.

Ausbau der Öko-Energie macht Druck auf den Netzausbau

Die erneuerbaren Energien deckten in 2011 rund 20 Prozent des Strombedarfs. Vor allem die Windenergie konnte deutlich zulegen. Allein im Dezember, in dem der Wind überdurchschnittlich häufig und stark wehte, erzeugten deutsche Windräder 8,5 Mrd. Kilowattstunden und damit mehr als je zuvor seit der Einführung von Subventionen für das Segment. Der Ausbau der erneuerbaren Energien erfordert nach Aussage des BDEW mehr Anstrengungen um den Netzausbau. Die Stromnetze sind nicht auf eine dezentrale Erzeugung ausgelegt. Die Netze wirken derzeit wie ein Nadelöhr für große Strommengen aus dem Norden der Republik, die in den Süden transportiert werden müssen. Im Dezember war Deutschland zwischenzeitlich auf Stromlieferungen aus Österreich angewiesen.

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