Mit Unicredit hat ausgerechnet die größte italienische Bank einen milliardenschweren Quartalsverlust erlitten. Im Angesicht der Euro-Krise muss das hellhörig machen: Möglicherweise ist der Mutterkonzern der HVB in großer Gefahr. Rettungsaktionen müssten in vorderster Front ausgerechnet durch den italienischen Staat eingeleitet werden, dem die Finanzmärkte wegen zu hoher Schulden das Vertrauen entziehen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise könnte wieder einmal einen neuen Höhepunkt erreichen.

Radikaler Schrumpf- und Sanierungskurs steht bevor
Im Zeitraum Juni bis September erlitt Unicredit einen Verlust von 10,6 Mrd. Euro, der vor allem auf notwendige Abschreibungen auf den Wert akquirierter Banken aus Osteuropa zurückzuführen war. Die Bank will nun drastische Maßnahmen ergreifen. Für das Jahr 2011 wurde die Dividende gestrichen. 2012 ist eine Kapitalerhöhung im Volumen von 7,5 Mrd. Euro vorgesehen. Bis 2015 sollen insgesamt 6150 Stellen gestrichen werden. Betroffen davon ist offenbar auch die deutsche Unicredit-Tochter HypoVereinsbank. Unicredit muss sich auf harte Zeiten einstellen: Neben der Großbaustelle Osteuropageschäft könnte sich auch der italienische Markt zu einem Risiko entwickeln.
Moody´s prüft Kreditwürdigkeit
Die Ratingagentur Moody´s hat unterdessen angekündigt, die langfristige Bonität von Unicredit auf den Prüfstand zu stellen. Davon sind auch Töchter des Instituts betroffen, darunter die HypoVereinsbank. Die Note A2 ist in Gefahr, was nicht zuletzt an dem hohen Verlust und der insgesamt dünnen Eigenkapitaldecke liegt. Die angestrebte Kapitalerhöhung soll in dieser Hinsicht Abhilfe schaffen. Die Finanzspritze wird aber teuer, weil das beauftragte Bankenkonsortium eine Beratungsgebühr von rund 200 Millionen Euro verlangt. Dafür sichert das Konsortium die Erhöhung ab: Ziehen nicht alle Aktionäre mit, steigen die Banken auf eigene Rechnung ein.
Foto: (c) Luciano Mortula