Viel Stress, wenig Geld und die Doppelbelastung durch Beruf und Familie: Deutsche Arbeitnehmer sind mit ihrem Job heute unzufriedener als noch in den 80er Jahren. Das geht aus einer Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen hervor. Auf einer Skala von 0 bis 10 bewerteten die Teilnehmer ihre Arbeitszufriedenheit im Jahr 2009 mit 6,8 Punkten. 1984 waren es noch 7,6 Punkte. Im internationalen Vergleich belegt Deutschland damit einen durchwachsenen 18. Platz.

Unsicherheit macht unzufrieden

Die Wissenschaftler sehen verschiedene Gründe für die wachsende Unzufriedenheit unter deutschen Arbeitnehmern. Neben der schleppenden Lohnentwicklung nennen sie auch Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, eine insgesamt gewachsene Arbeitsbelastung und mehr Unsicherheit im Hinblick auf die berufliche Zukunft. Besonders unzufrieden waren der Studie zufolge ältere Arbeitnehmer im Alter von über 50 Jahren: Ihr Skalenwert lag mit 6,8 unter dem Durchschnitt. Vor 25 Jahren war diese Gruppe noch zufriedener mit ihrer Situation als andere Altersgruppen.

Angleichung zwischen Ost und West

Die Unterschiede zwischen Ost und West sind hingegen weitgehend verschwunden: Lange Zeit waren Arbeitnehmer in den alten Bundesländern zufriedener als ihre Kollegen in den Neuen Bundesländern. Das ist heute nicht mehr der Fall. Die Studie kommt zu dem nicht ganz überraschenden Ergebnis, dass Menschen mit einem höheren Bildungsabschluss generell zufriedener mit ihrer Arbeitssituation sind als Menschen einem niedrigen Bildungsabschluss.

Niedrige Löhne, hohe Abgaben

Die Lohnentwicklung in Deutschland wird immer wieder für die wachsende Unzufriedenheit vieler Bundesbürger mit ihrem Job gemacht. Die Reallöhne sind seit dem Ende der 80er Jahre spürbar gesunken. Auch verglichen mit der Jahrtausendwende sanken die Einkommen: Real betrug das Minus durchschnittlich 2,5 Prozent. Vor allem die unteren Einkommensgruppen verdienen heute weniger als noch im Jahr 2000. Zusätzlich belastet die hohe Abgabenquote: Kleine und mittlere Einkommen leiden besonders unter dem Effekt der kalten Progression.

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