Die außerordentliche Hauptversammlung (HV) beim seit Monaten wirtschaftlich komplett mit dem Rücken zur Wand stehenden Holzverarbeiter Pfleiderer AG verlief äußerst turbulent – und brachte am Ende dann doch das von den Gläubigern gewünschte Ergebnis. Der schwer angeschlagene Pfleiderer-Konzern ist somit vorerst gerettet und es kann eine Sanierung angegangen werden.

Zustimmungsquote von 75 Prozent wurde locker erreicht

Kleinaktionäre ausgebootet: Banken und Hedgefonds übernehmen nun die Kontrolle beim Holzverarbeiter PfleidererErzielt wurde auf der außerordentlichen Hauptversammlung dabei sogar eine Zustimmungsquote von 95 Prozent des in der HV anwesenden Kapitals. Für die konkrete Umsetzung des mit den zahlreichen Pfleiderer-Gläubigern ausgehandelten Rettungsplans war im Vorfeld eine Annahmequote von 75 Prozent festgesetzt worden, diese Quote wurde nun deutlich übertroffen.

Pfleiderer-Hauptversammlung: Kleinaktionäre auf den Barrikaden

Durch dieses Abstimmungsergebnis übernehmen nun diejenigen Banken und Hedgefonds die Kontrolle beim oberpfälzischen Holzverarbeiter, die sich in laufenden Kredite eingekauft hatten. Auf der Hauptversammlung regte sich allerdings heftiger Widerstand von Seiten der Kleinaktionäre, diese erreichten immerhin, dass die Sanierungs-Hauptversammlung rund 12 Stunden dauerte! Der Hintergrund: Die vorliegenden Sanierungspläne sehen de facto eine Enteignung der Kleinaktionäre vor. Aufgrund des geringen Streubesitzes konnte die zahlreichen Kleinaktionäre aber „nur“ heftige Kritik am Vorstand und den neuen Eigentümern üben und keine Wende in der Abstimmung heraufbeschwören.

In letzter Minute: Pfleiderer brauchte dringend eine Lösung

Die nun erfolgte Annahme des Pfleiderer-Rettungsplans erfolgte aus Unternehmenssicht übrigens kurz vor Toresschluss, denn ohne einen Sanierungsplan hätte der traditionsreiche Holzverarbeiter tatsächlich binnen weniger Wochen Insolvenz anmelden müssen. Auch ohne Insolvenz ist die Pfleiderer AG allerdings mit Abstand der größte aktuelle Sanierungsfall in der Bundesrepublik.

Hans Overdiek: Wie lange bleibt der langjährige CEO noch im Amt?

So war es auch wenig verwunderlich, dass sich der langjährige und mittlerweile höchst umstrittene Pfleiderer-Konzernchef Hans Overdiek nach der erfolgreichen Abstimmung sehr erleichtert zeigte: „Pfleiderer ist sanierungsfähig. Die bisherigen Zahlen in diesem Jahr zeigen, das wir auf einem guten Weg sind“. Pikanter Hintergrund: Die riskante Expansionsstrategie von Overdiek war es nach Einschätzung vieler Experten erst, die dem Holzverarbeiter hohe Verluste und einen kaum zu bewältigenden Schuldenberg aufgedrückt hatte.
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