Die Notenbanken rund um den Globus stimulieren die Konjunktur mit Unmengen billigem Geld. Das rächt sich mehr und mehr: Die Inflation ist weltweit auf dem Vormarsch. In Deutschland zehrt sie Lohnzuwächse und Anlagezinsen auf. In einigen Schwellenländern könnten sogar innere Unruhen drohen, wenn der Preisdruck nicht bald legt. Genau das aber ist nicht in Sicht: Abgesehen von den zaghaften Zinserhöhungen der EZB zeigen die Zentralbanken kein Interesse am Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes.

Bundesbank: Inflation zum Jahresende auf 3 Prozent
Die Deutsche Bundesbank rechnet für das Gesamtjahr 2011 mit einer Inflationsrate von 2,5 Prozent in Deutschland. Zum Jahresende könnte die Teuerung sogar auf 3 Prozent ansteigen. Für das kommende Jahr geht sie von 1,8 Prozent aus. Dabei dürfte sich die Ursache der Inflation zunehmend vom Anstieg der Preise für Energie und Nahrungsmittel zur Kerninflation verschieben. Die lag zuletzt bei 1,4 Prozent. Da Unternehmen höhere Produktionskosten aber offenbar immer besser am Markt unterbringen können, wird die Kerninflation steigen. Die EZB wies jüngst unmissverständlich auf das Risiko von Zweitrundeneffekten hin.
9 Prozent Inflation in Indien, mehr als 5 Prozent in China
In den Schwellenländern hat Inflation eine andere Bedeutung als in den Industrieländern. Der chinesische Premierminister Wen Jiabao stuft die Teuerung im Reich der Mitte als ein Risiko für die politische Stabilität ein und setzt die Inflation dabei auf eine Stufe mit der Korruption im Land. Im Mai lag die chinesische Inflationsrate bei 5,5 Prozent. Die Volksrepublik steht mit der Problematik nicht allein da. In Indien stiegen die Preise im Frühjahr um neun Prozent. In Brasilien lag die Inflation bei 6,5 und in Russland um 7 Prozent.
„Unhaltbarer Kreditboom“ besorgt BIZ
Die Leitzinsen sind auch in den Schwellenländern zu niedrig. Das größte Risiko für die Preisniveaustabilität geht aber von den Zentralbanken der großen Volkswirtschaften, allen voran der Federal Reserve Bank in den USA aus. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnte angesichts global negativer Realzinsen vor einem „unhaltbaren Kreditboom“ und forderte ein rasches Ende der Expansionspolitik. Davon ist aber nicht auszugehen. Die EZB beschränkte sich am Donnerstag auf eine geringfügige Erhöhung der Leitzinsen auf 1,5 Prozent.
Notenbanken schieben Zinserhöhungen auf die lange Bank
Die Britische Zentralbank beließ ihren Leitzins ebenso unverändert auf historisch niedrigem Niveau wie es auch in Japan und den USA der Fall ist. Die Notenbanken sehen sich einem Interessenskonflikt gegenüber. Mit einer strafferen Geldpolitik könnten sie die Inflation zwar bekämpfen. Das würde aber die in den USA, Großbritannien, Japan und weiten Teilen Europas noch sehr fragile Konjunktur gefährden. Inflation erscheint offenbar als das kleinere Übel im Vergleich zu einem Rückfall in die Rezession. Von der Politik können Forderungen in Richtung einer strafferen Geldpolitik nicht erwartet werden. Sie profitiert kurzfristig durch mehr Inflation, weil die Teuerung die Arbeitslosigkeit genauso drückt wie die reale Schuldenlast.
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