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Deutsche wissen nichts über Geld – und zeigen auch kein Interesse

Eingetragen am 19. Mai 2011 – 02:512 Kommentare

Über Geld wird in Deutschland nicht geredet, aber auch nicht nachgedacht. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesverbands Investment und Asset Management kommt zu dem Schluss, dass 89 Prozent der 1000 Befragten nicht wissen, wie genau ihr Geld angelegt ist. Das Profil bestimmter Anlageklassen oder Finanzprodukte wird dann zumindest nicht hinreichend verstanden. Das kann dazu führen, dass die Anlage nicht zum individuellen Anforderungsprofil passt.

Große Wissenslücken bei der Altersvorsorge

Auf die Frage, welche Anlageprodukte für die private Altersvorsorge geeignet seien, antworteten 61 Prozent der Befragten mit Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld. Bei den jüngeren Befragten im Alter von unter 30 Jahren waren sogar 80 Prozent der Ansicht, dass sich mit diesen Produkten für das Alter vorsorgen lasse. Nur ein Viertel der Befragten unter 30 sieht in Fondssparplänen, der betrieblichen Altersvorsorge und Kapitallebensversicherungen eine geeignete Vorsorgeform.

Sicherheit steht ganz oben – Risikostreuung ist fast unbekannt

Nicht überraschend: Sicherheit steht für deutsche Anleger ganz oben. 48 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, Sicherheit sei ihnen bei der Geldanlage am wichtigsten. Gleichzeitig gaben lediglich 6 Prozent der Befragten an, Diversifikation und Risikostreuung wichtig zu nehmen. Risikostreuung ist für die Sicherheit eines ganzheitlichen Anlagekonzepts unverzichtbar. Auch wer ausschließlich auf Tagesgeld setzt geht Risiken ein: Bei einer (keineswegs seltenen) negativen Realverzinsung übersteigt die Inflationsrate die Verzinsung und führt damit zu einem Kaufkraftverlust.

Bewahren vor Vermehren: Deutsche schielen nicht auf den Ertrag

Definitiv überraschend: Lediglich 6 Prozent der Befragten gaben an, sich bei der Auswahl einer Geldanlage für die Rendite zu interessieren. Den Deutschen scheint das Bewahren von Vermögen wichtiger zu sein als die Mehrung. Dafür spricht auch der seit Jahren anhaltende Rückzug der Anleger aus dem Aktienmarkt. Die beliebtesten Anlagen sind neben dem klassischen Sparbuch Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefe. Dass Kenntnisse rund um die privaten Finanzen wichtig sind, bestreitet nur eine Minderheit: 90 Prozent der Befragten schätzen es als immer wichtiger ein, sich selbst um die Altersvorsorge zu kümmern.

Viel Unsicherheit, kein Vertrauen und kein Spaß an der Sache

Die Umfrage versuchte auch, den Gründen für das mangelnde Interesse der Deutschen am Geld auf den Grund zu gehen. 40 Prozent gaben an, kein Vertrauen in Banken und Co. zu haben. Jeweils 37 Prozent äußerten starke Verunsicherung oder mangelhafte Verständlichkeit der Informationen von Banken und Versicherungen als Grund. Die Studienergebnisse passen ins Bild. Vor Kurzem war das Ergebnis einer Umfrage der Fondsgesellschaft Fidelity bekannt geworden, der zufolge 60 Prozent der Deutschen noch nie vom Drei-Säulen-Modell im Zusammenhang mit der Altersvorsorge gehört hatten.

Foto: © smartdesign – Fotolia.com

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2 Kommentare »

  • Trotz vielfältiger Informationsangebote bspw. im Web, vertrauen Viele einzig und allein ihrem Finanzberater. Doch dass diese gern provisionsorientiert statt anlegerorientiert beraten, fällt oft unter den Tisch, da die Verbraucher sich eben nicht selbst mit der Materie beschäftigen (wollen). Beispielsweise wird gern die kapitalbildende Lebensversicherung verkauft, weil die Provision meist vergleichsweise hoch ausfällt. So kommt es, dass mehr als 93 Millionen dieser Verträge existieren, obwohl die Einwohnerzahl im Land ganz zehn Millionen darunter liegt? Genauso wenig ist bekannt, dass die Zinsen der kapitalbildenden Lebensversicherungen im Keller sind (aktueller Garantiezins: 2,25 Prozent) und unter Abzug der Inflation (aktuell: 2,6 Prozent) oft sogar im Minusbereich liegen. Werden dann von den eingezahlten Beiträgen noch die Verwaltungs-, Abschluss- und Provisionskosten abgezogen, so macht der Verbraucher ein deutliches Minus. Außerdem werden fast drei Viertel der Verträge vor dem eigentlichen Laufzeitende gekündigt, weil die langlaufenden Zahlungsverpflichtungen heutzutage für Viele nicht mehr darstellbar sind.
    Die Verbraucher sollten sich also unbedingt selbst mit ihren Finanzen auseinandersetzen, so dass sie bei Gesprächen mit Finanzdienstleistern eben nicht über den Tisch gezogen werden können – sondern auf gleicher Augenhöhe die besten Anlagestrategien miteinander abstimmen können.

  • Trotz vielfältiger Informationsangebote bspw. im Web, vertrauen Viele einzig und allein ihrem Finanzberater. Doch dass diese gern provisionsorientiert statt anlegerorientiert beraten, fällt oft unter den Tisch, da die Verbraucher sich eben nicht selbst mit der Materie beschäftigen (wollen). Beispielsweise wird gern die kapitalbildende Lebensversicherung verkauft, weil die Provision meist vergleichsweise hoch ausfällt. So kommt es, dass mehr als 93 Millionen dieser Verträge existieren, obwohl die Einwohnerzahl im Land ganz zehn Millionen darunter liegt? Genauso wenig ist bekannt, dass die Zinsen der kapitalbildenden Lebensversicherungen im Keller sind (aktueller Garantiezins: 2,25 Prozent) und unter Abzug der Inflation (aktuell: 2,6 Prozent) oft sogar im Minusbereich liegen. Werden dann von den eingezahlten Beiträgen noch die Verwaltungs-, Abschluss- und Provisionskosten abgezogen, so macht der Verbraucher ein deutliches Minus. Außerdem werden fast drei Viertel der Verträge vor dem eigentlichen Laufzeitende gekündigt, weil die langlaufenden Zahlungsverpflichtungen heutzutage für Viele nicht mehr darstellbar sind.

    Die Verbraucher sollten sich also unbedingt selbst mit ihren Finanzen auseinandersetzen, so dass sie bei Gesprächen mit Finanzdienstleistern eben nicht über den Tisch gezogen werden können – sondern auf gleicher Augenhöhe die besten Anlagestrategien miteinander abstimmen können.

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