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„Deutschland vor goldenem Jahrzehnt“. So titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Montag. Das Blatt bezieht sich auf die Rekordabsätze der deutschen Exporteure, die im März Waren im Wert von 98,3 Mrd. Euro ins Ausland verkauften. Gegenüber dem Vorjahresmonat bedeutet das ein Plus von 15,8 Prozent. Die Einfuhren des Importvizeweltmeisters legten um 16,9 auf 79,4 Mrd. Euro zu. Die konservative FAZ gerät regelrecht ins Schwärmen: Ein Ende des Booms sei nicht absehbar und der Arbeitsmarkt biete mittlerweile eine Million offene Stellen. Alles gut also in Deutschland?

Klamme Staaten schulden Bundesbank 340 Mrd. Euro

Im zurückliegenden Jahrzehnt hat sich der Fokus der deutschen Wirtschaft stark hin zum Export gewendet. Verwunderlich ist das nicht: Die schwache Einkommensentwicklung in Deutschland hat die BRD zu einem stagnierenden Absatzmarkt gemacht. Da Deutschland mehr exportiert als es importiert, müssen sich andere Volkswirtschaften verschulden, um die Exporte kaufen zu können. Zu den Volkswirtschaften mit negativer Handelsbilanz zählen z. B. Staaten in Südeuropa. Und die stehen bei der Deutschen Bundesbank mit 340 Mrd. Euro in der Kreide. Der starke Export wurde zu Teilen über Verbindlichkeiten gegenüber der Bundesbank gekauft, die diesen Posten als Target Kredite ausweist.

Bundesbankkredite wie zwischenstaatliche Darlehen

Die Bundesbank finanziert den Importüberschuss von Griechenland, Portugal und Co. zwangsweise über das EZB-System. Übersteigen die Importe einer Volkswirtschaft ihre Exporte, benötigt sie Kapital aus dem Ausland. Die Kapitalströme wurden bis zum Ausbruch der Finanzkrise über Geschäftsbanken gelenkt. Banken in Südeuropa liehen sich Geld bei Banken aus anderen Ländern. Seit dem Zusammenbruch des Interbankenmarktes im Jahr 2007 funktioniert das nicht mehr. Geschäftsbanken leihen sich Geld deshalb bei ihrer nationalen Notenbank, die über den Umweg der EZB wiederum eine Verbindlichkeit gegenüber der Bundesbank eingeht.

Handelsungleichgewichte sind die Wurzel aller Krisen

An den Handelsungleichgewichten innerhalb der EU und des Euro-Raums hat sich wenig geändert. Die Ungleichgewichte sind nach Ansicht vieler Ökonomen neben der US-Immobilienblase die eigentliche Ursache der Finanz- und Wirtschaftskrise. Dass der deutsche Export so gut läuft, hat er in weiten Teilen der verdeckten Finanzierung der Handelsbilanzdefizite anderer Volkswirtschaften durch die Bundesbank zu verdanken. Die Risiken daraus trägt der Steuerzahler, der über den Bund letztlich haften muss, wenn die Bundesbank Abschreibungen vornehmen müsste. Das Dilemma: Werden die Handelsungleichgewichte abgebaut, kommt der Exportmotor ins Stocken. Werden sie nicht zurückgeführt, baut sich eine neue Schuldenblase bei der Notenbank auf.

Foto: © Binkski – Fotolia.com

2 thoughts on “Exportwunder Deutschland: Wird der Boom durch die Bundesbank finanziert?

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